Der Sushi-Pirat

DSC_0972Leidenschaften hat jeder. Aber es gibt Menschen, die ihre Leidenschaften zum Beruf machen – auch, wenn zunächst kaum jemand an sie glaubt. So ist es bei Alexander Lengyel, Gründer von Pirata Sushi. Wir haben uns mit dem Captain getroffen und er hat uns bei seinen legendären Freibeuter-Maki erzählt, warum man in seinem Sushi keinen Fisch findet.

Alexander Lengyels braune Augen leuchten, wenn er über Sushi spricht. Aufgewachsen in einer Gastronomie-Familie in Sao Paulo – seine Familie betreibt dort, wie könnte es anders sein, mehrere Sushi-Lokale – wurde ihm die Liebe für Sushi und Maki also quasi in die Wiege gelegt. Auch mit dem Fischhandel kam er so recht rasch in Berührung; arbeitete später selbst als Händler. Und lernte dabei auch, was manche Gastronomen ihren Gästen alles zumuten: „Wir und noch ein, vielleicht zwei weitere am Markt waren die einzigen, die qualitativ guten und vor allem frischen Fisch anboten. Bei den anderen ging es nur um ‚günstig, günstig, günstig‘. Was man da alles so sieht, davon will ich eigentlich gar nicht erzählen“, meint er kopfschüttelnd. Also kehrte er der Gastronomie vor etwa 10 Jahren den Rücken (nur vorerst, Gott sei Dank 😉 ) und es verschlug ihn nach Österreich. Geschäftstüchtig wie er immer schon war und ist, eröffnete er im 7. Wiener Bezirk einen kleinen Laden für Ökomode mit eigenen Designs – inspiriert und geprägt von seiner Liebe für die Seefahrerei. So richtig laufen wollte das Geschäft allerdings nicht und aufgrund der Kosten für Geschäft und Personal zeichnete sich schon bald die Schließung ab. Sushi gab es zu dieser Zeit nur für ihn selbst und einige seiner Freunde. „Ich habe Sushi immer schon geliebt und es kam für mich nie in Frage, darauf zu verzichten.“ Auf Fisch allerdings schon – und obwohl weder vegan noch vegetarisch experimentierte er mit Avocado, Mango, Salat, Gurke und verschiedenem Obst. „Ich habe als Fischhändler gesehen, was da teilweise so alles am Markt verkauft wird. Sofern ich mir nicht sicher bin, dass die Qualität zu hundert Prozent stimmt, kaufe ich keinen Fisch. Und guter Fisch ist hier sehr schwierig zu bekommen“, meint er schulterzuckend. So einfach ist es. Konsequent wie Alexander ist, lässt er ihn also einfach weg.

DSC_0928    DSC_0965

Von seiner eigenen Küche fanden die kleinen Köstlichkeiten allerdings den Weg auf das Buffet jener Party, die er zur Auflösung seines Geschäfts gab und schwupps, war es auch schon geschehen: eine neue Geschäftsidee war geboren, auch wenn seine Gäste diese witterten, noch bevor er überhaupt einen Gedanken daran verschwendet hatte. „Ich hätte nie gedacht, dass fischfreies Sushi so gut funktioniert“, lacht er. Mögliche Investoren zunächst allerdings auch nicht. Trotzdem verlängerte Alexander den Mietvertrag für den kleinen Laden und ging mit seiner Idee auf die Suche nach Unterstützern. „Das war extrem schwierig“, erzählt er. „Die Leute hören Sushi ohne Fisch und fragen dich, ob du noch richtig tickst.“ Wenn dann doch Angebote kamen, schlug Alexander einige davon aus. Die potentiellen Investoren wollten zu viel an seinen Visionen herumschrauben. „Aber das bin dann nicht mehr ich. Ich kann doch nur zu hundert Prozent hinter meinen Ideen und Produkten stehen, wenn ich selbst davon überzeugt bin.“ Und es zeigte sich, dass das die völlig richtige Entscheidung war: nachdem er die Finanzierung endlich aufgestellt hatte, schlug Pirata Sushi ein, wie eine Bombe. Gerade die Lage im 7.Bezirk und die Spezialisierung auf eine bestimmte Zielgruppe funktionierte auf Anhieb perfekt. „Für Vegetarier, die keinen Fisch essen oder Veganer gibt es in Punkto Sushi sehr wenig Angebot. Ja klar, in Sushi Lokalen gibt es immer fischfreie Versionen mit Gurke oder Rettich, aber das wars dann auch. Da steckt nicht viel Liebe drinnen.“  Bei seinen Kreationen wie „Honululu-Maki“ (Ananas, Ruccola und schwarzer Sesam), „Salatbombe“ (mit „Piratablut“ gefärbter, roter Reis mit Salatmix und Paprika) oder „Mr. Octopus“ (marinierte Sojasprossen) geht jedem Gemüseliebhaber das Herz auf – und eigentlich auch den meisten Fischliebhabern (siehe unsere erste Begegnung mit Pirata Sushi HIER). Das sind auch die Momente, die Alexander in seinem Tun besonders bestärken: „Das größte Kompliment für mich ist, wenn jemand vorbei kommt, der gerne Sushi mit Fisch isst und zunächst skeptisch ist. Und dann sagt: Ja, man vermisst den Fisch überhaupt nicht. Das ist die größte Bestätigung.“ Das ist wahrlich hohe Kunst, denn (guter) Fisch spricht ja für sich, weswegen das rundherum nicht zwangsläufig wahnsinnig ausgefallen sein muss – ein wirklich gutes Lachs-Nigiri reicht eigentlich schon aus, um einen Sushi-Fan glücklich zu machen 😉 Alexander gibt sich angesichts dieser Theorie aber bescheiden: „Mhm ja, vielleicht ist da was Wahres dran. Aber man muss sein Handwerk auch bei klassischen Sushi perfekt beherrschen, damit das Ergebnis am Ende stimmt.“ Und damit das bei ihm der Fall ist, steckt er Einiges an Arbeit in seine Kreationen: „Ich bin Perfektionist. Oft habe ich eine Idee, was gut zusammenpassen könnte und dann tüftel ich ewig rum und probiere und probiere bis es endlich so perfekt ist, dass es auf die Speisekarte darf. Oder ich muss mir eingestehen, dass es wohl doch keine so gute Idee war“, lacht er. Ständige Optimierung ist also oberstes Credo – und so hat er auch seine „Zuccamaki“ (eingelegte Zucchini und Sesam) überarbeitet. „Ihr hattet schon ein bisschen Mitschuld“, grinst er. „Als ich auf eurem Blog die Bewertung gelesen habe, dass ihr die Zuccamaki zu langweilig fandet, hat mich das sehr gewurmt, weil ich mir schon die ganze Zeit gedacht habe, dass da was fehlt. Das war dann der letzte Anstoß.“ Also kommt bei den „Zuccamaki 2.0“ die Marinade bzw. Sauce jetzt einfach oben drauf, anstatt die Zucchini darin einzulegen. 100 Punkte! 🙂

DSC_0950    DSC_0956

Auch sonst wird die Karte bald mit neuen Überraschungen aufwarten, wie uns Alexander bei einem selbstgemixten Cocktail aus Kiwi und Sake erzählt. Zum Beispiel Currytofu-Nigiri (super lecker!) oder ein Nigiri aus dem berühmten rosaroten Pirata-Blut-Reis (Geheimrezeptur!) mit einer marinierten Blüte obenauf. Mit Pirata geht es auch nach dem einjährigen Jubiläum, welches das Lokal vor kurzem feierte, munter weiter. Wenn auch vielleicht nicht am gleichen Standort – hier darf Alexander nämlich keine warme Küche betreiben. „Da wär dann noch viel mehr möglich“, träumt er. Vielleicht also können wir Alexander bald in einer neuen Location besuchen. „Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg“, seufzt er. Na dann Captain – Segel setzen, ahoy!

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s